2. Cottbuser Gespräch

Zukunft grüner Wasserstoff – Perspektiven und Potenziale für die Lausitz

 

Webinar am 23.06.2020, 17:30 – 19:00 Uhr


Das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) und die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) laden gemeinsam zum 2. Cottbuser Gespräch ein.

Zum Thema „Zukunft grüner Wasserstoff – Perspektiven und Potenziale für die Lausitz“ diskutieren:

Videoaufzeichnung des Webinars

Eike Christiansen

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit

Eike Christiansen arbeitet seit 2015 als Oberregierungsrat im Bundesumweltministerium im Referat Klimaschutz und Energieeffizienz, Klimaschutztechnologien. Er verantwortet im BMU unter anderem die Themen Klimaschutz und Dekarbonisierung in der Industrie, Wasserstoff, Energiemanagement und Energieeffizienznetzwerke. Herr Christiansen ist studierter Forstwissenschaftler und hat zudem einen Abschluss in Global Change Management (M. Sc.) an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde erworben.

Dr. Stefanie Randig

Projektleiterin Siemens Görlitz

Stefanie Randig hat 2008 im Rahmen eines kooperativen Promotionsverfahrens an der TU Bergakademie Freiberg und der Hochschule Zittau/Görlitz promoviert und ist seit 13 Jahren für Siemens tätig. In ihrer Rolle als Projektleiterin für die Ansiedlung des Fraunhofer Wasserstofftestzentrums auf dem Innovationscampus Siemens Görlitz unterstützt und treibt sie den Aufbau neuer innovativer Wasserstofftechnologien voran.

Dr. Sebastian Schmidt

Leiter der Fachgruppe Leichtbau und Energietechnik am Fraunhofer Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Zittau

Sebastian Schmidt hat an der Hochschule Zittau/Görlitz Mechatronik studiert und an der TU Dresden im kerntechnischen Bereich promoviert. Das Thema Wasserstoff bearbeitet er seit 2019. Unter anderem war er maßgeblich an der Erstellung einer Studie zu den Wasserstoffpotentialen in der Wirtschaftsregion Lausitz beteiligt. Aktuell ist er Projektleiter für die Errichtung des Hydrogen Lab Görlitz (HLG) auf dem Innovationscampus Siemens in Görlitz.

Dr. Alexander Lisk

Leiter Großlabore am Lehrstuhl Kraftwerkstechnik der BTU Cottbus-Senftenberg sowie Netzwerkmanager am Centrum für Energietechnologie Brandenburg e.V. (CEBra)

Alexander Lisk hat an der BTU Cottbus-Senftenberg Wirtschaftsingenieurswesen mit der Fachrichtung Energieversorgung studiert und an der gleichen Einrichtung im Bereich der Kraftwerkstechnik promoviert. Von 2009 bis 2013 leitete er eine Nachwuchsforschergruppe zur Thematik CCS-Technologien am Lehrstuhl Kraftwerkstechnik der BTU Cottbus-Senftenberg. Das Thema Wasserstoff bearbeitet er seit 2017. Als Netzwerkmanager war er an der Initiierung und Beantragung des Reallobors „Referenzkraftwerk Lausitz“ und an der Erstellung einer Studie zu den Wasserstoffpotentialen in der Wirtschaftsregion Lausitz

Moderation: Gabi Grube

Stadtmarketing- und Tourismusverband Cottbus e.V.

Gabi Grube ist seit 2011 Geschäftsführerin des Stadtmarketing- und Tourismusverbandes Cottbus e.V. Nach ihrem Studium an der Ingenieurhochschule Cottbus arbeitete sie als Diplom-Bauingenieurin bis sie im Jahr 2000 zum Lokaljournalismus wechselte. Eine Ausbildung zur PR-Beraterin und Mediatorin folgten

Die Veranstaltung findet als Online-Format statt. Teilnehmende erhalten die Gelegenheit, sich interaktiv einzubringen und Fragen an die Referentinnen und Referenten zu stellen.

Ablauf der Veranstaltung:

17:30 – Öffnung Konferenzraum & Begrüßung (Gabi Grube)
17:35 – Keynotes (3 Keynotes à ca. 15 Minuten)
18:15 – Diskussionsrunde & Publikumsfragen
19:00 – Veranstaltungsende

Wissenswertes zum Thema Wasserstoff finden Sie zusammengefasst in unseren FAQs.

Welche Rolle spielt Wasserstoff für die Erreichung der Klimaziele Deutschlands?

Deutschland verfolgt das Ziel, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden. Dieses Ziel steht im Einklang mit den Zielen des Übereinkommens von Paris, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius zu begrenzen. 

Ein großer Verursacher klimaschädlicher Gase ist der Industriesektor. Hier soll bereits bis 2030 eine Minderung der Treibhausgasemissionen um rund 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 erreicht werden. Ein wesentlicher Teil der Industrieemissionen ist auf die sogenannten prozessbedingten CO2-Emissionen zurückzuführen. Darunter fallen Treibhausgasemissionen, die aus dem Produktionsprozess selbst resultieren und die auf die nicht-energetische Nutzung von kohlenstoffhaltigen Rohstoffen und Energieträgern zurückzuführen sind, beispielsweise bei der Herstellung von Rohstahl und chemischen Grundstoffen.

Um prozessbedingte Emissionen vermeiden zu können, ist in vielen Bereichen ein grundlegender Umbau ganzer Prozesse erforderlich. Dafür müssen neuartige und innovative Klimaschutztechnologien zum Einsatz kommen. Zum einen ist es notwendig, Herstellungsprozesse unter Einsatz von erneuerbarem Strom zu elektrifizieren und damit fossile Energieträger zu ersetzen.  Andere Bereiche, in denen die direkte Nutzung von Strom nicht möglich ist, sind zur Dekarbonisierung in vielen Fällen dagegen auf den Einsatz von grünem Wasserstoff bzw. darauf aufbauenden Folgeprodukten angewiesen. Grüner Wasserstoff kann beispielsweise in der Stahlindustrie klimaschädliche Kohle ersetzen bzw. als nachhaltiger Rohstoff für die Herstellung chemischer Grundstoffe wie Ammoniak dienen. Damit ist er ein wichtiger Baustein für die Dekarbonisierung der Industrie. Wichtige Voraussetzung für einen großen Klimaschutzeffekt durch den Einsatz von Wasserstoff ist allerdings, dass der Strom, der zur Produktion von Wasserstoff eingesetzt wird, aus erneuerbaren Energien stammt. Daher ist es das Ziel der Bundesregierung, grünen Wasserstoff zu nutzen, einen zügigen Markthochlauf zu unterstützen sowie entsprechende Wertschöpfungsketten zu etablieren.

In welchen Industriebranchen kann Wasserstoff zur CO2-Reduktion beitragen?

Schon heute wird in Deutschland jährlich Wasserstoff im Umfang von rund 55 Terrawattstunden in der chemischen Industrie genutzt, der jedoch noch zum größten Teil auf Basis fossiler Energieträger erzeugt wird. Um Kohlenstoffdioxidemissionen zu vermeiden, müssen diese Verfahren auf eine Produktion mit grünem Wasserstoff umgestellt werden. Außerdem können weitere emissionsintensive Herstellungsprozesse der Industrie durch den Einsatz von grünem Wasserstoff und darauf aufbauenden Folgeprodukten dekarbonisiert werden, beispielsweise die Herstellung von Rohstahl und weiteren Produkten der chemischen Industrie.

Wie kann der zu erwartende hohe Wasserstoffbedarf gedeckt werden?

Mittel- und langfristig wird Deutschland grünen Wasserstoff importieren müssen. Das liegt insbesondere daran, dass das Potenzial für die Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energien begrenzt ist. Deshalb verfolgt die Bundesregierung das Ziel, einen globalen Wasserstoffmarkt aufzubauen. Dafür müssen verlässliche internationale Partner gefunden werden, die in großen Mengen erneuerbare Energien produzieren können. Aufgrund ihrer geografischen Lage kommen beispielsweise sonnenreiche Länder in Südeuropa und Nordafrika in Frage. Für die aktuellen Produzenten und Exportnationen fossiler Energieträger bieten sich angesichts ihres Potenzials für erneuerbare Energien attraktive Chancen. Sie können gewinnbringend ihre Lieferketten auf die Nutzung von erneuerbaren Energien und Wasserstoff umstellen und so zu potenziellen Lieferländern für Wasserstoff werden. Hierdurch können diese Staaten auch langfristig von den bestehenden Handelsbeziehungen profitieren.

Wie werden Wasserstoff-Technologien gefördert?

Damit grüner Wasserstoff ein zentraler Faktor für die Klimaneutralität werden kann, muss die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick genommen werden: Technologien, Erzeugung, Speicherung, Verwendung, Infrastruktur und Logistik. Mit der Nationalen Wasserstoffstrategie (NWS) hat die Bundesregierung einen umfassenden Maßnahmenkatalog vorgelegt, um grünen Wasserstoff zu nutzen, einen zügigen Markthochlauf zu unterstützen und entsprechende Wertschöpfungsketten zu etablieren.

Für den Markthochlauf von Wasserstofftechnologien in Deutschland werden rund 7 Milliarden Euro von der Bundesregierung bereitgestellt. Weitere 2 Milliarden Euro fließen in den Aufbau internationaler Partnerschaften.

Auch im Rahmen des BMU-Förderprogramms Dekarbonisierung in der Industrie, das das KEI künftig umsetzen wird, sollen u.a. wasserstoffbasierte, innovative Klimaschutztechnologien zur Vermeidung von Prozessemissionen in der energieintensiven Industrie gefördert werden.