Rückblick: KEI Podium zu Akzeptanzstrategien für die Industrietransformation

27.06.2022

Auf dem Weg in die Klimaneutralität steht die Industrie nicht nur vor technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Aufgabe der Industrieunternehmen ist es auch, Akzeptanz für ihre Dekarbonisierungsprojekte bei der Bevölkerung sowie bei den eigenen Beschäftigten zu erzielen. Wie das gelingen kann, diskutierten rund 120 Fachleute aus Wirtschaft und Wissenschaft am 15. Juni 2022 beim 2. KEI Podium.


Zur Einführung in die Veranstaltung unterstrich Dr. Georg Kobiela (Germanwatch) in seiner Keynote besonders eine über die reine Akzeptanz hinausgehende Teilhabe der Gesellschaft als Schlüssel für eine erfolgreiche Transformation. Nur so sei es möglich, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Dabei sieht er die Industrie klar als Impulsgeber für das Gesamtsystem.

Gesellschaftliche Akzeptanz:  Eine unterschätzte Hürde bei der Transformation?

Anschließend stand ein Tandem-Vortrag von Katja Witte (Wuppertal Institut) und Dr. Michael Walther (NRW.Energy4Climate) auf dem Programm. Sie beleuchteten die gesellschaftliche Akzeptanz verschiedener Industriepfade aus der Forschungsperspektive. Ihre Schlussfolgerung: Es ist jetzt an der Zeit, aktiv zu werden und theoretische Strategien in die Praxis umzusetzen. Dr. Jan-Justus Andreas (Bellona Europa) bekräftigte die Position. Er ging in seinem Impulsreferat darüber hinaus auf die Rolle der Politik ein. „Die Zivilgesellschaft muss von der Politik stärker in die Prozesse involviert werden“, erklärte der Umweltökonom. Darüber hinaus stellte er bewährte Akzeptanzstrategien anderer europäischer Staaten wie Norwegen, Großbritannien und den Niederlanden vor.

Erfolgreiche Dekarbonisierungsprojekte: Austausch zu Strategien und Lösungsansätzen

Im Zentrum der digitalen Veranstaltung stand die Podiumsdiskussion zu verschiedenen Akzeptanzstrategien, möglichen Lösungsansätzen und Erfolgsfaktoren für Dekarbonisierungsvorhaben. Mit dabei waren u. a. Dr. Axel Bree vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Carolin Rößler von ONTRAS Gastransporte, Luisa Genz von Aurubis und Dennis Rheinsberg von der Deutschen Industriebank (IKB). Ein Schwerpunkt des Erfahrungsaustausches war die Rolle der Beschäftigten in den betroffenen Industrieunternehmen. Hier waren sich die Fachleute einig: Die Mitarbeitenden sind als Multiplikatoren ein Schlüssel für erfolgreiche Transformationsprojekte.

Carolin Rößler und Luisa Genz vertraten in der Diskussionsrunde die Unternehmensperspektive. Beide sprachen sich für ein übergreifendes Denken und Handelns aus – zum Beispiel durch Projektkonsortien und Aufgabenteilung entlang der Wertschöpfungskette. Darüber hinaus gab es interessante Einsichten in das Thema Akzeptanz aus dem politischen Blickwinkel. Dr. Bree, Leiter des BMWK-Referates „Förderprogramme Dekarbonisierung der Industrie, Klimaschutzverträge“, bekräftigte die große Bedeutung von Dialogprozessen seitens des Bundeswirtschaftsministeriums mit den Industrieunternehmen genauso wie mit Bürgerinnen und Bürgern.

Graphic Recording: Live-Visualisierung der Kernaussagen

Eine Illustratorin dokumentierte während der Veranstaltung die Kernaussagen der Referierenden als „Graphic Recording“. Das Ergebnis gibt es hier zu sehen.

Ausblick: Praxishandbuch „Akzeptanzstrategien in den energieintensiven Industrien“

Gemeinsam mit zahlreichen Fachleuten aus der energieintensiven Industrie, Verbänden und Wissenschaft arbeitet das KEI derzeit an einem Praxishandbuch zur Akzeptanz industrieller Dekarbonisierungsvorhaben. Neben methodischen und rechtlichen Grundlagen werden in dem Sammelband Praxisbeispiele, Handlungsempfehlungen und Hintergrundinformationen zur Verfügung gestellt. Die Veröffentlichung ist für Herbst 2022 geplant.

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