Transformation der Stahlindustrie kann Erfolgsmodell für den Umstieg zur Klimaneutralität werden

30.06.2021

Bundesumweltministerin Svenja Schulze zu Besuch bei thyssenkrupp Steel in Duisburg

Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat im Rahmen ihrer Sommerreise das Duisburger Hüttenwerk von thyssenkrupp Steel besucht. Sie informierte sich vor Ort über die Pläne des größten deutschen Stahlherstellers, seine Produktion vollständig klimaneutral aufzustellen und forderte das Unternehmen auf, einen Förderantrag für eine Direktreduktionsanlage im BMU-Förderprogramm „Dekarbonisierung in der Industrie” einzureichen. Eine erste Projektskizze war zuvor vom Umweltbundesamt und dem Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) positiv bewertet worden.

thyssenkrupp Steel steht für 2,5 Prozent des deutschen CO2-Ausstoßes und will in diesem Jahrzehnt 30 Prozent CO2 einsparen. Dazu hat das Unternehmen konkrete Pläne vorgelegt: Die vier Hochöfen sollen schrittweise ab 2025 durch mit grünem Wasserstoff betriebene Direktreduktionsanlagen ersetzt werden, jeweils ergänzt durch innovative Einschmelzaggregate, um aus dem festen Rohmaterial flüssiges Roheisen zu machen. Für die Umsetzung sind laut thyssenkrupp bis 2030 zwei Milliarden Euro und für den kompletten Umstieg bis zu acht Milliarden Euro an Investitionen notwendig.

Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstands von thyssenkrupp Steel: „Wir freuen uns, dass unsere Projektskizze positiv bewertet wurde und werden als nächsten Schritt unseren Förderantrag einreichen. Wir haben ein klares technologisches Konzept für eine klimaneutrale Stahlproduktion und sind startklar. Wir wollen zeigen, wie Dekarbonisierung im großindustriellen Maßstab funktionieren kann. Duisburg kann mit unserem Transformationsplan zur Blaupause für den Umstieg werden – hin zu einer wettbewerbsfähigen, klimaneutralen Industrie, die Innovation und Wertschöpfung in Deutschland und Europa hält.”

Die Stahlindustrie ist mit etwa 58 Millionen Tonnen CO2 für rund sechs Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland verantwortlich und steht vor immensen Herausforderungen bei der Transformation zur Treibhausgasneutralität. Die Branche und das Bundesumweltministerium versprechen sich viel von der Umstellung auf mit Wasserstoff betriebene sogenannte Direktreduktionsanlagen, die die Hochöfen ersetzen sollen. Dabei hat die Stahlindustrie einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Industriezweigen: Sie kann als Einstieg in die Transformation Erdgas für die Direktreduktion von Eisenerz einsetzen. Das ist eine gute Möglichkeit, den Markthochlauf für grünen Wasserstoff vorzubereiten.

Denn Erdgas kann dabei als Übergangstechnologie in der Stahlindustrie bereits viel CO2 einsparen. Der Direktreduktionsprozess mit Erdgas ist um die Hälfte sauberer als Stahl aus dem Hochofen. Mittel- bis langfristig muss Erdgas dann durch grünen Wasserstoff ersetzt werden.

Quelle: BMU, 28.06.2021