Die industrielle Dekarbonisierung mit dem Ziel der Treibhausgasneutralität erfordert einen langfristig angelegten grundlegenden Wandel (Transformation). Der Klimaschutz ist dabei Treiber für Innovation und Effizienz, die zum Erfolg und zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie beiträgt.

Hauptinstrument für die Minderung von industriellen Treibhausgasemissionen in Deutschland ist seit 2005 der europäische Emissionshandel (EU ETS). Der EU ETS erschließt über das Preissignal Emissionsminderungspotenziale im Bereich der Energiewirtschaft und energieintensiven Industrie. Er reicht allerdings nicht aus, um das Ziel der treibhausgasneutralen Industrie im Jahr 2050 zu erreichen.

Direkte energiebezogene Treibhausgasemissionen können durch weitreichende Energieeffizienzsteigerungen durch den Einsatz effizienter Technologien und Prozessoptimierung, inklusive konsequenter Abwärmenutzung, verringert werden. Indirekte energiebezogene Treibhausgasemissionen lassen sich durch den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien reduzieren. In beiden Bereichen haben die Unternehmen in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Erfahrung gesammelt und Erfolge erzielt. Weitere umfassende Anstrengungen sind dennoch notwendig.

Die Entwicklung von Lösungen zur deutlichen Reduzierung prozessbedingter Treibhausgasemissionen sind besonders anspruchsvoll und befinden sich zum Teil noch in den Anfängen. In den meisten Fällen werden kleine (inkrementelle) Umstellungen und Veränderungen der Produktionsverfahren nicht ausreichen. Vielmehr sind disruptive Innovationen (Sprunginnovationen) notwendig, die zu einer Umgestaltung gesamter Prozessketten führen: Nur durch die Einführung alternativer Produktionsverfahren können prozessbedingte Treibhausgasemissionen vermieden werden. Einige dieser neuen Produktionsverfahren sind bereits bekannt und müssen bis zur Marktreife weiterentwickelt und in den Markt eingeführt werden, andere wiederum sind noch grundlegend neu zu entwickeln und zu erforschen.

Industrielle Produktionsanlagen, insbesondere in der emissionsintensiven Grundstoffindustrie, haben in der Regel eine sehr lange Lebensdauer von mehreren Jahrzehnten, teilweise von über 50 Jahren. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass frühzeitig die notwendigen klimaneutralen Technologien entwickelt werden und bei Reinvestitionszyklen auch zum Einsatz kommen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die in den kommenden Jahren anstehenden Investitionen in klimagerechte Produktionsanlagen getätigt werden. Hierfür sind neben einem erheblichen Ausbau von Forschung und Entwicklung zu spezifischen Verfahrensinnovationen zwischen Industrie und Wissenschaft auch die finanzielle Förderung von Investitionen in neue Produktionsverfahren notwendig.