Glasindustrie

Glas ist einer der vielfältigsten Werkstoffe der heutigen Zeit. Es wird in den unterschiedlichsten Branchen und zu verschiedensten Zwecken eingesetzt. Im Alltag dient es als Verpackungsmaterial für Getränke und Lebensmittel, in der Baubranche ermöglicht Glas spektakuläre Architektur, wie die Wolkenkratzer in Manhattan. Zudem trägt der Werkstoff zum Klimaschutz bei, denn als wärmedämmende Glaswolle verbessert er die Energiebilanz von Gebäuden und als Bestandteil von Photovoltaik-Anlagen macht er Sonnenenergie nutzbar.

Gleichzeitig verursacht die Herstellung von Glas derzeit erhebliche Mengen an Treibhausgasen. Im Jahr 2015 hat die deutsche Glasindustrie insgesamt 4,9 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Rund 84 Prozent davon gehen auf die Brennstoffe zurück. Die restlichen 16 Prozent, also rund 791.000 Tonnen, zählen zu den prozessbedingten CO2-Emissionen. Diese entstehen im Schmelzprozess, wenn Karbonate aus dem Gemenge zersetzt werden. Dazu gehört Natriumkarbonat (Soda), das als Flussmittel verwendet wird.

Durch die Ölkrise zum Recycling-Pionier

Als in den 1970er-Jahren durch die Ölkrise die Energiekosten rapide anstiegen, war das ein Anreiz für die Gasindustrie zum Pionier des Recyclings zu werden, denn: Durch den Einsatz von Scherben werden pro Prozent eingesetzter Scherben rund 0,2 bis 0,3 Prozent Energie eingespart. Kontinuierlich arbeitet die Branche seitdem daran, die Energieeffizienz und die Recyclingrate zu steigern und so ihre Klimabilanz zu verbessern.

Forschung für klimafreundliche Verfahren der Glasherstellung

Herausforderungen für die Glasindustrie liegen in der Umstellung fossiler Brennstoffe auf erneuerbare Alternativen. Hierbei ist zu klären, ob und in welchen Fällen Wasserstoff oder grüner Strom genutzt werden können. Darüber hinaus müssen Verfahren entwickelt und eingesetzt werden, die prozessbedingte Emissionen aus den Rohstoffen der Glasherstellung vermeiden. Dies betrifft zum einen Forschung zu alternativen Flussmitteln. Das sind Substanzen, die die Glasschmelze dünnflüssig machen. Zum anderen müssen der Einsatz von Scherben optimiert und die Verwendung von CO2-Abscheidetechnologien mit angeschlossener CO2-Nutzung geprüft werden.

Geeignete Rahmenbedingungen benötigt

Damit die Glasindustrie erfolgreich Strategien zur Reduzierung ihrer CO2-Emissionen umsetzen kann, sind politische und wirtschaftliche Maßnahmen notwendig. Insbesondere müssen sogenannte „Carbon-Leakage-Effekte“ vermieden werden. Das bedeutet, dass Industriezweige in Länder ausweichen, in denen entweder geringere Anforderungen an Umweltstandards gelten oder bessere Rahmenbedingungen für die Glasherstellung bestehen.

Viele der neuen Technologien benötigen große Mengen elektrischer Energie, weshalb der Ausbau erneuerbarer Energie vorangetrieben werden muss. Nicht zuletzt ist ein Markt für umweltfreundliches Glas eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Branche CO2 einspart.


Beispiele aus der Praxis

DisConMelter

DisConMelter, ein Satellitenprojekt von SynErgie, ist eine Glasschmelzwanne, mit der der Glasschmelzprozess neugestaltet wird. So kann die Produktion der Stromverfügbarkeit flexibel angepasst werden. Es besteht aus drei Modulen: Im ersten wird das Glas geschmolzen, im zweiten gespeichert und im dritten Modul erfolgt die weitere Verarbeitung.

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The Furnace of the Future

Die „Schmelzwanne der Zukunft“ ist ein essentieller Bestandteil für die Dekarbonisierung der Glasindustrie und für die Produktion klimaneutraler Glasverpackungen. Die Ardagh Group wird in Deutschland die weltweit erste Hybrid-Oxyfuel-Schmelzwanne im großindustriellen Maßstab bauen, die bis zu 80 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben wird. Dadurch werden bis zu 50 Prozent der CO2-Emissionen eingespart. Für dieses Pilotprojekt kooperieren 20 Behälterglashersteller europaweit.

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