Klimaschutz in der Industrie

Klimaneutralität bis 2045

Die Novelle des Klimaschutzgesetztes gibt das verbindliche Ziel vor, Deutschland bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral zu gestalten. Mit dem Gesetz wird das Ziel der Klimaneutralität um fünf Jahre vorgezogen. Deutschland leistet somit seinen Beitrag, um die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts weltweit Treibhausgasneutralität zu erreichen.

Das Klimaschutzgesetz setzt den Rahmen zur Modernisierung der deutschen Volkswirtschaft und gibt Leitlinien sowie Sektorziele für alle Handlungsfelder (Industrie, Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und Sonstiges) auf dem Weg zur Klimaneutralität vor. Damit bietet es eine wichtige Orientierung für Investitionen, die in den kommenden Jahren im Industriesektor anstehen.

Treibhausgasemissionen im Industriesektor

Rund 24 Prozent der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase gehen auf den Industriesektor zurück. Die Industrie ist damit hierzulande nach der Energiewirtschaft der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Gleichzeitig ist die Industrie von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Hieraus ergibt sich eine entscheidende Verantwortung und Rolle, um die Treibhausgasneutralität zu erreichen.

In den vergangenen 30 Jahren hat die Industrie bereits erhebliche Anstrengungen zum Klimaschutz unternommen und konnte bedeutende Treibhausgasminderungen erreichen. Diese wurden maßgeblich durch den Einsatz energieeffizienter Technologien und Prozessoptimierung sowie konsequente Abwärmenutzung erreicht. Die Industrieemissionen konnten so zwischen 1990 und 2020 um rund 37 Prozent verringert werden. Dies wurde bei gleichzeitiger erheblicher Steigerung der Wertschöpfung erreicht. Seit dem Jahr 2005 sind die Treibhausgasemissionen in der Industrie nur noch leicht rückläufig.

Ursachen für Treibhausgasemissionen in der Industrie

Die Treibhausgasemissionen des Industriesektors entstehen vor allem in den energieintensiven Branchen Stahl, Chemie, Nichteisenmetalle, Zement, Kalk, Glas, Papier und Zellstoff sowie Keramik sowie bei der industriellen Eigenstromversorgung. Die Emissionen entstehen dabei auf insgesamt drei verschiedenen Wegen:

  • Direkte energiebedingte Treibhausgasemissionen stammen aus der Verwendung (fossiler) Brennstoffe zur Bereitstellung von Energie (zum Beispiel Prozesswärme, Dampf, mechanische Arbeit).
  • Indirekte energiebedingte Treibhausgasemissionen resultieren aus der Erzeugung des verwendeten Stroms (zum Beispiel durch ein Kohle- oder Erdgaskraftwerk).
  • Prozessbedingte Treibhausgasemissionen sind Emissionen, die nicht aus dem Einsatz von fossilen Brenn- und Rohstoffen zur Energieerzeugung stammen. Sie entstehen vorrangig durch technologie- beziehungsweise verfahrensbedingte Nutzung dieser Stoffe bei der Produktion (zum Beispiel durch Koks bei der Stahlherstellung oder Kalkstein bei der Zement- und Kalkproduktion).

Die prozessbedingten Treibhausgasemissionen in der Industrie stellen einen Anteil von circa 25 Prozent der gesamten Industrieemissionen dar. Dabei machen folgende Bereiche der Grundstoffindustrie einen Großteil der gesamten industriellen prozessbedingten Treibhausgasemissionen in Deutschland aus:


Umgestaltung von Industrieprozessen

Die Industrieproduktion soll treibhausgasneutral werden. Die Vermeidung von prozessbedingten Emissionen, die bei der Produktion anfallen, ist eine besonders große Herausforderung für die energieintensiven Industrien. Nach einem Diskussionspapier der Arbeitsgruppe Kohlenstoffwirtschaft der Landesinitiative IN4climate.NRW gelten „prozessbedingt anfallende CO2-Mengen insoweit als unvermeidbar, als deren Entstehung trotz Optimierung des Produktionsverfahrens oder des Produktes nicht vermieden werden kann.“ Vielmehr sind neue Technologien notwendig, wie beispielsweise die Einführung alternativer Produktionsverfahren. Das wird künftig in einigen Branchen der Industrie sowie branchenübergreifend zu einer Umgestaltung gesamter Prozessketten und damit zu einem Umbau ganzer Produktionsstandorte führen.


Quellen:
UBA (2021): Vorjahreschätzung der deutschen Treibhausgas-Emissionen für das Jahr 2020.
BMU (2021): Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundes-Klimaschutzgesetzes.