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Klimaneutrale Industrie

Deutschland soll bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral werden. Mit hohen Treibhausgasemissionen hat die Grundstoffindustrie eine zentrale Rolle, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Blick auf eine Industrieanlage bei Nacht

Treibhausgasneutralität bis 2045

Das novellierte Klimaschutzgesetz gibt das verbindliche Ziel vor, Deutschland bis zum Jahr 2045 treibhausgasneutral zu gestalten. Mit dem Gesetz wird das Ziel der Klimaneutralität um fünf Jahre vorgezogen. Deutschland leistet somit seinen Beitrag, um die globale Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts weltweit Treibhausgasneutralität zu erreichen.

Das Klimaschutzgesetz setzt den Rahmen zur Modernisierung der deutschen Volkswirtschaft und gibt Leitlinien sowie Sektorziele für alle Handlungsfelder (Industrie, Energiewirtschaft, Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft, Abfallwirtschaft und Sonstiges) auf dem Weg zur Klimaneutralität vor. Damit bietet es eine wichtige Orientierung für Investitionen, die in den kommenden Jahren im Industriesektor anstehen.

Treibhausgasemissionen nach Sektoren 2022 (Daten entnommen aus: UBA 2023)

Treibhausgasemissionen im Industriesektor

Rund 22 Prozent der in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgase gehen auf den Industriesektor zurück. Die Industrie ist damit hierzulande nach der Energiewirtschaft der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasemissionen. Gleichzeitig ist die Industrie von zentraler Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Hieraus ergibt sich eine entscheidende Verantwortung und Rolle, um die Treibhausgasneutralität zu erreichen.

In den vergangenen 32 Jahren hat die Industrie bereits erhebliche Anstrengungen zum Klimaschutz unternommen und konnte bedeutende Treibhausgasminderungen erreichen. Diese wurden maßgeblich durch den Einsatz energieeffizienter Technologien und Prozessoptimierung sowie konsequente Abwärmenutzung erreicht. Die Industrieemissionen konnten so zwischen 1990 und 2022 um rund 41 Prozent verringert werden. Dies wurde bei gleichzeitiger erheblicher Steigerung der Wertschöpfung erreicht.

Emissionsentwicklung im Industriesektor 1990 bis 2030 (Daten entnommen aus: UBA 2023)

Was ist Dekarbonisierung?

Neben anderen Treibhausgasen trägt Kohlenstoffdioxid (CO2) maßgeblich zum Treibhauseffekt und damit zur Erwärmung der Erde bei. Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Treibhausgasneutralität ist daher die Dekarbonisierung. Dieser Begriff bezeichnet die Abkehr von Kohlenstoff. Im Industriesektor versteht man unter Dekarbonisierung die Umstellung auf kohlenstofffreie bzw. kohlenstoffneutrale Produktionsverfahren.

Die Treibhausgasemissionen des Industriesektors entstehen vor allem in den energieintensiven Branchen Stahl, Chemie, Nichteisenmetalle, Zement, Kalk, Glas, Papier und Zellstoff sowie Keramik.

Ursachen für Industrieemissionen

Die Treibhausgasemissionen des Industriesektors entstehen vor allem in den energieintensiven Branchen Stahl, Chemie, Nichteisenmetalle, Zement, Kalk, Glas, Papier und Zellstoff, Keramik sowie bei der industriellen Eigenstromversorgung.

Die Emissionen entstehen dabei auf insgesamt drei verschiedenen Wegen:

  1. Direkte energiebedingte Treibhausgasemissionen stammen aus der Verwendung (fossiler) Brennstoffe zur Bereitstellung von Energie (zum Beispiel Prozesswärme, Dampf, mechanische Arbeit).
  2. Indirekte energiebedingte Treibhausgasemissionen resultieren aus der Erzeugung des verwendeten Stroms (zum Beispiel durch ein Kohle- oder Erdgaskraftwerk).
  3. Prozessbedingte Treibhausgasemissionen sind Emissionen, die nicht aus dem Einsatz von fossilen Brenn- und Rohstoffen zur Energieerzeugung stammen. Sie entstehen vorrangig durch technologie- beziehungsweise verfahrensbedingte Nutzung dieser Stoffe bei der Produktion (zum Beispiel durch Koks bei der Stahlherstellung oder Kalkstein bei der Zement- und Kalkproduktion).

Prozessbedingte Emissionen in der Grundstoffindustrie

Rund 25 Prozent der Treibhausgasemissionen in der deutschen Industrie sind prozessbedingt. Der Großteil der industriellen prozessbedingten Emissionen entsteht in der Grundstoffproduktion. Das bedeutet bei:

  • der Metallherstellung (Erzeugung von Eisen, Stahl und Aluminium)
  • der Herstellung mineralischer Erzeugnisse (Zement, Kalk und Glas)
  • der Herstellung von Grundchemikalien (vor allem Ammoniak, Adipin- und Salpetersäure)
Anteil der prozess- und energiebedingten Treibhausgasemissionen in der Industrie

Umgestaltung von Industrieprozessen

Die Vermeidung von prozessbedingten Emissionen, die bei der Industrieproduktion anfallen, ist eine besonders große Herausforderung für die Grundstoffe produzierenden Branchen. Für den klimaneutralen Industriestandort Deutschland ist daher eine grundlegende Transformation der industriellen Produktionsprozesse notwendig. Von zentraler Bedeutung ist die Einführung innovativer Zukunftstechnologien und alternativer Produktionsverfahren. Das wird künftig in einigen Branchen der Industrie sowie branchenübergreifend zu einer Umgestaltung gesamter Prozessketten und damit zu einem Umbau ganzer Produktionsstandorte führen.