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Papier- und Zellstoffindustrie

Auf dem Weg zur klimafreundlichen Industrie

Papierrollen in der Produktion

Papierherstellung verursacht hohe Treibhausgasemissionen

Papierprodukte begleiten unseren Alltag. Von Kaffeefiltern und Verpackungen bis zu Büchern und Hygieneartikeln. Deutschland zählt zu den größten Papierproduzenten weltweit, rund 500.000 Menschen sind entlang der Wertschöpfungskette beschäftigt. 2025 wurden rund 20,4 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe in Deutschland produziert. Die Papier- und Zellstoffindustrie emittierte dabei circa 3,8 Millionen Tonnen fossil gebundenes CO₂. Das entspricht etwa 2,6 Prozent der Treibhausgasemissionen der deutschen Industrie im selben Jahr.

Kreisdiagramme zur Visualisierung der Treibhausgasemissionen in der Industrie allgemein und speziell für den Sektor Papier- und Zellstoffe
Treibhausgasemissionen (THG) der deutschen Papier- und Zellstoffindustrie 2025. Quelle: Eigene Darstellung gemäß Emissionsdaten des Umweltbundesamts (UBA, 2026) und der deutschen Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt (DEHSt, 2026).

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Förderung

KEI Fachforum Papier

Papierrollen in der Produktion

Studie „Flexibilisierung elektrifizierter Industrieprozesse"

Chance Dekarbonisierung

So funktioniert die Papier- und Zellstoffherstellung

Konventionelle Papier- und Zellstoffherstellung

Infografik zur konventionellen Papierherstellung
Infografik zur konventionellen Papierherstellung

Klimafreundliche Papier- und Zellstoffherstellung

Infografik zur klimaneutralen Papierherstellung
Infografik zur klimaneutralen Papierherstellung
3787000 Tonnen

weniger CO₂-Äquivalente

Durch eine Dekarbonisierung der Papier- und Zellstoffproduktion können rund drei Prozent der Treibhausgasemissionen der deutschen Industrie eingespart werden.

Erneuerbare Energien und Flexibilisierung als Schlüssel zur Dekarbonisierung

Die Papierindustrie hat ihre Hausaufgaben gemacht: Mit einem Altpapieranteil von 83 Prozent nutzt sie das Recyclingpotential konsequent aus. Weitere Steigerungen sind kaum möglich, da Frischfasern für Produkte mit besonderen Anforderungen an Festigkeit, Hygiene oder Qualität weiterhin unverzichtbar sind. Die Reduktion von Treibhausgasen gelingt vor allem durch Elektrifizierung, Wärmerückgewinnung, moderne Trocknungstechnologien, digitale Steuerung und intelligente Energienutzung sowohl in der Zellstoff- als auch in der Papierherstellung.

Vor allem die Trocknungsprozesse benötigen große Mengen an Prozesswärme und Strom. Innovationen wie Elektrodenkessel, Hochtemperatur-Wärmepumpen oder hybride Anlagen können fossile Energien schrittweise ersetzen und gleichzeitig flexibel auf volatile Strompreise reagieren.
 

Die Branche hat zwei Hebel zur Dekarbonisierung: erneuerbare Energien und Flexibilisierung elektrifizierter Produktionsprozesse. Entscheidend sind auch eine belastbare Energieinfrastruktur, wettbewerbsfähige Strompreise und verlässliche Rahmenbedingungen.

Politische Instrumente und Umweltkennzeichnungen

Hohe Netzentgelte und lange Wartezeiten für Netzanschlüsse bremsen Investitionen. Dynamische Netzentgelte, beschleunigte Genehmigungen und gezielte Förderprogramme wie die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) sowie der Klima- und Transformationsfonds (KTF) könnten eine Flexibilisierung elektrifizierter Industrieprozesse wirtschaftlich machen und den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreiben. Auch Marktmechanismen spielen eine zentrale Rolle: Umweltlabels wie FSC, PEFC, Blauer Engel oder das EU-Ecolabel sichern die nachhaltige Beschaffung von Rohstoffen. Gleichzeitig entlastet Recyclingpapier die Holz- und Zellstoffströme entlastet und spart Wasser, Energie und CO₂.

Langfristig kann Wasserstoff saisonale Energiespeicherung ermöglichen, wird für Prozesswärme in der Papierindustrie jedoch erst in Zukunft relevant. In den kommenden Jahren sind Stromnetze entscheidend, die Industrieunternehmen als flexible Partner:innen einbinden, sowie politische Maßnahmen, die Elektrifizierung fördern statt behindern.

Die Branche beweist, dass industrielle Dekarbonisierung möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist, wenn Politik, Netzbetreibende und Industrie zusammenarbeiten. Projekte wie die Modellfabrik Papier, Kabel ZERO oder SAHARA zeigen, wie gemeinschaftliche Forschung Innovationen voranbringt.
 

Drei Fragen an ...

Dr. Heinz Joachim Schaffrath, TU Darmstadt

Dr. Heinz Joachim Schaffrath spricht im Interview über die Rezyklierbarkeit von Verpackungen und welche Herausforderungen Verbundmaterialien für das Recycling von Papierprodukten bergen.

Zum Interview

Geförderte Projekte

  • Mitarbeitende der Papier- u. Kartonfabrik Varel in der Produktion
    laufend Bundesförderung Industrie und Klimaschutz | Papier- und Zellstoffindustrie

    GreenSteam4Paper

    Im Projekt „GreenSteam4Paper“ arbeitet die Papier- u. Kartonfabrik Varel GmbH & Co. KG an einer klimafreundlichen Dampferzeugung für den Einsatz in den besonders energieintensiven Trocknungsprozessen der Papierindustrie.

  • laufend Bundesförderung Industrie und Klimaschutz | Papier- und Zellstoffindustrie

    EDry4Tissue_LEU

    Im Projekt „EDry4Tissue_LEU“ arbeitet WEPA an einer (Teil-)elektrifizierten Trocknungshaube für den Einsatz in energieintensiven Trocknungsprozessen der Hygienepapierherstellung.

  • laufend Bundesförderung Industrie und Klimaschutz | Papier- und Zellstoffindustrie

    EDry4Tissue_MUE

    Im Projekt EDry4Tissue_MUE geht WEPA die (Teil-)Elektrifizierung des Trocknungsprozesses bei der Hygienepapierproduktion an und schafft es, die Herstellung durch die Umrüstung der mechanischen und thermischen Trockenpartie signifikant zu dekarbonisieren.

Praxisbeispiele

Eine Glühlampe mit integriertem Zahnrad vor dem Hintergrund der Papierproduktion

Kabel ZERO

Tiefen-Geothermie-Anlage zur klimaneutralen Papiertrocknung

Eine Glühlampe mit integriertem Zahnrad vor dem Hintergrund der Papierproduktion

Hochspannungs-Elektrodenkessel

CO2-neutrale Wärmeproduktion u. a. in der Papierindustrie

Studien zur Dekarbonisierung der Papierindustrie