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12.06.2023

Fachforum Stahl beleuchtet Akzeptanzstrategien in der Stahlindustrie

Die KEI-Fachreferent*innen Dr. Remo Tiedemann und Anna Malakhova führten durch das 3. KEI Fachforum Stahl.

Zum 3. KEI Fachforum Stahl sind am 7. Juni 2023 Fachleute der Stahlindustrie zusammengekommen. Sie diskutierten Akzeptanzstrategien für die Transformationsprozesse in der Stahlbranche in den Bereichen Unternehmen, Markt, Belegschaft und Gesellschaft.

In vier Kurzvorträgen wurden die Problemstellungen und Herausforderungen der Stahlbranche aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Ein wichtiges Ergebnis des digitalen Austausches: Sowohl die Mitarbeitenden in den Unternehmen als auch die Anwohner*innen müssen als Gestalter stärker in die Transformationsprozesse involviert werden.

Politische Instrumente für die Produktion von grünem Stahl

Roderik Hömann (Leiter Energie- und Klimapolitik, Wirtschaftsvereinigung Stahl) erläuterte die Voraussetzungen für die Produktion von grünem Stahl und ging auf die dafür notwendigen politischen Instrumente ein. Solche Instrumente sind etwa die Weiterentwicklung von Leitmärkten auf Basis der Definition von grünem Stahl sowie ein entsprechendes Label-System.

Erfolgreiche Transformation erfordert Einbindung der Beschäftigten

Aus Gewerkschaftssicht machte Heiko Reese (Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender, IG Metall) in seinem Vortrag deutlich, dass für eine erfolgreiche Transformation der Stahlindustrie insbesondere die Belegschaft in den Stahlunternehmen sowie die Gesellschaft mitgenommen werden muss. Zur Sicherung der Industriearbeitsplätze sind laut Reese eine genaue Identifikation des Personalbedarfs sowie entsprechende Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme notwendig.

Weitere Perspektiven: öffentliche Vergabepraxis und Rolle der Wissenschaft

Lisa-Marie Okken (Referentin zum Klimaschutz in der Industrie) und Felix Schmidt (Policy Advisors Climate & Energy, WWF) sprachen in ihrem Input über die Bedeutung nachhaltiger, öffentlicher Beschaffung als Hebel für die Schaffung grüner Leitmärkte. Vorgeschlagen wurde die Einführung sogenannter „Umweltkriterien“ bei öffentlichen Vergaben. Anschließend ging Dr. Christin Hoffmann (Lehrstuhl Dekarbonisierung und Transformation der Industrie, BTU Cottbus-Senftenberg) auf die Rolle der Wissenschaft bei der Förderung der gesellschaftlichen Akzeptanz für die Industrietransformation ein.

Fachaustausch über neue Ansätze zur Auflösung von Widerständen

Gemeinsam mit Marc Blum (Senior Consultant, Initiative ZINKSTAHL sowie Mitautor des KEI Fachbuchs zu Akzeptanzstrategien in den energieintensiven Industrien) und Dr. Alexander Redenius (Leiter Ressourceneffizienz und FuE-Koordination, Salzgitter Mannesmann Forschung) diskutierten die Vortragenden im Anschluss weitere aktuelle Fragen rund um die Akzeptanzförderung. Vom Multinutzungsansatz des Werksstoffes Stahl über grüne Leitmärkte und Beschäftigtenakzeptanz bis hin zum „Not In My Backyard-Effekt“ beim (Um-)Bau von Großanlagen tauschten sich die Teilnehmenden in der abschließenden Paneldiskussion mit den Referierenden aus.

Diskussionsergebnisse: Politische Rahmenbedingungen und transparente Kommunikation

Politisch klare Rahmenbedingungen geben den Industriefirmen Planungs- sowie Investitionssicherheit und fördern damit die Akzeptanz des Transformationsprozesses auf unternehmerischer Ebene. Die Transformationsprozesse müssen darüber hinaus transparent und strukturiert kommuniziert werden, damit Beschäftigte wie Anwohner*innen mitgehen. Dabei sind auch neue Ansätze für die Auflösung von Widerständen zu finden. Ein Beispiel: Günstigere Stromtarife für Einwohner*innen in unmittelbarer Nähe neu errichteter Großanlagen.

Videoaufzeichnung der Veranstaltung

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Videomitschnitt des 3. KEI Fachforums Stahl am 7. Juni 2023.

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