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27.03.2026 Flexibilisierung Chemie

KEI Fachforum Chemie betrachtet Optionen der Dekarbonisierung und Flexibilisierung

Zum 4. Fachforum Chemie am 26. März 2026 diskutierten rund 80 Teilnehmende die Dekarbonisierungs- und Flexibilisierungspotenziale der Branche. Im Fokus standen Herausforderungen, Chancen und Best-Practice-Beispiele.

Dekarbonisierungs- und Flexibilisierungspotenziale der Branche

Dr. Remo Tiedemann, Referent Think Tank und Strategische Vorhaben, und Viktoria Metzler-Wowtscherk, Fachliche Projektmanagerin, führten durch die digitale Veranstaltung und gaben zunächst einen Einblick in die Arbeit des KEI sowie in das durch das Kompetenzzentrum betreute Förderprogramm „Bundesförderung Industrie und Klimaschutz“.

Im Anschluss stellte Dr. Tobias Fleiter, Leiter Geschäftsfeld Klimaneutrale Industrie am Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), die Ergebnisse der KEI-Studie „Flexibilisierung elektrifizierter Industrieprozesse“ mit spezifischem Blick auf die chemische Industrie vor. In der Studie wurden Branchenanalysen zur Energieflexibilität in Industrieprozessen durchgeführt und über Fallbeispiele technische sowie ökonomische Herausforderungen identifiziert. Fleiter ging auf die gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse für die Chemieindustrie ein. Das Fraunhofer ISI hat die Studie gemeinsam mit dem Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik der RWTH Aachen im Auftrag des KEI erstellt. 

Branchensicht zeigt Prioritäten auf

Heinrich Nachtsheim, Referent Energiepolitik und Wasserstoff beim Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), erläuterte in einem Impulsvortrag die Sicht der chemischen Industrie auf die Flexibilität anhand von Potenzialen, Hemmnissen und Spannungsfeldern. Er betonte die Bedeutung der Chemiebranche als Grundstofflieferant für den Industriestandort Deutschland, der essenzielle Vorprodukte für viele Produktionsketten in der Automobil-, Bau- und Pharmaindustrie herstelle. 

Essenziell für die Branche seien hohe Kapazitätsauslastungen der Anlagen. Mehr Flexibilität, beispielsweise durch Teillastfahrweisen, stelle eine Umkehr von diesem Grundsatz dar und erfolge auf Kosten von Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Anlagen. Potenziale für Flexibilisierung müssten daher immer standortspezifisch analysiert und mit Kosten unterlegt werden.

BASF erläutert Energietransformation am Standort Schwarzheide

In einem Praxisbeispiel stellte Robert Stiller, Senior Manager Energie- und Klimapolitik bei BASF, eindrucksvoll die Modernisierung und den Wandel des Chemiestandorts Schwarzheide zum innovativen Industriepark Lausitz dar. Die Transformationspläne des Standortes konzentrieren sich auf eine moderne und hocheffiziente Infrastruktur mit Fokus auf die Versorgung mit Elektroenergie, Dampf, Wasser, Stickstoff und Druckluft.

Dabei verfolge man den Grundsatz „nutzen statt abregeln“: Eine neue Netzinfrastruktur ermögliche die direkte Anbindung größerer Wind- und Photovoltaik-Projekte, stationäre Batteriespeicher nähmen Überschüsse auf. Die Transformation des Industrieparks Lausitz könne als Modellbeispiel für weitere Standorte in Deutschland herangezogen werden, erläuterte Stiller.

Experten und Teilnehmende diskutieren notwendige Entwicklungsarbeit für die Transformation

In der anschließenden Diskussionsrunde wurde intensiv über Kapazitätsauslastung und Flexibilitätspotenziale gesprochen. Insbesondere die Wirtschaftlichkeit der Anlagenauslastung, die bei 85 Prozent liegt, ist herausfordernd und wird aktuell durch die Branche nicht erreicht. 

Weiterhin waren sich die Beteiligten einig, dass CBAM aufgrund der Komplexität chemischer Produkte kein geeigneter Mechanismus ist. Als Lösungsansatz im Frühstadium wurde der „Market-Pull-Mechanismus“ genannt. Leitmärkte für klimafreundliche Produkte und der Einsatz von Labels können wichtige Anreize und Hebel für die Dekarbonisierung sein. Noch funktionieren diese Anreize jedoch nicht ausreichend. 

Mitschnitt der Veranstaltung

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Kontakt

Dr. Remo Tiedemann
Referent Think Tank und Strategische Vorhaben
0355 47889-113 E-Mail schreiben weitere Informationen

KEI Fachforen

Studie „Flexibilisierung elektrifizierter Industrieprozesse"

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