KEI veröffentlicht Kriterienkatalog für die Technologieauswahl in Net-Zero Valleys
Mit dem Impulspapier „Kriterienkatalog als Orientierung für die Technologieauswahl für Net-Zero Valleys“ liefert das KEI praxisnahe Instrumente für eine datenbasierte Entscheidung über die Auswahl von Netto-Null-Technologien für Net-Zero Valleys.
Hintergrund: Net-Zero Valleys als industriepolitisches Instrument
Im Rahmen des Net-Zero Industry Act (NZIA) erhalten EU-Mitgliedstaaten die Möglichkeit, sogenannte Net-Zero Valleys zu etablieren – regionale Beschleunigungsräume für den Aufbau industrieller Wertschöpfungsketten rund um klimaneutrale Technologien.
Ziel ist es, industrielle Cluster zu entwickeln, in denen Produktion, Innovation und Skalierung von Netto-Null-Technologien gezielt vorangetrieben werden. Dabei stehen insbesondere Technologien im Fokus, die regional wettbewerbsfähig entwickelt und industriell skaliert werden können.
Was leistet der Kriterienkatalog?
Der Kriterienkatalog dient als strukturierte Entscheidungshilfe für die Auswahl geeigneter Technologien innerhalb eines Net-Zero Valleys. Er unterstützt Akteure dabei,
- relevante Technologien systematisch zu bewerten,
- regionale Stärken gezielt einzubeziehen (z. B. Industriebasis, Fachkräfte, Infrastruktur),
- und fundierte Priorisierungsentscheidungen zu treffen.
Im Kern ermöglicht der Ansatz eine datenbasierte und nachvollziehbare Entscheidungsfindung – als Grundlage für die Entwicklung eines regionalspezifischen Technologiekonzepts.
Wen spricht der Kriterienkatalog an?
Die Zielgruppe des Kriterienkatalogs sind die Akteure in den Regionen, die auf dem Weg sind, ein Net Zero Valley zu gründen. Dabei sind beispielweise Landesakteure angesprochen, die einen konstruktiven, informierten, und partizipativen Prozess zur Auswahl von Netto-Null-Technologien einleiten wollen.
Fokus statt Fragmentierung
Nicht die breite Streuung über viele Technologien führt zum Erfolg, sondern die gezielte Konzentration auf wenige, strategisch passende Technologiefelder. Eine Priorisierung von typischerweise drei bis vier Technologien erhöht die Erfolgschancen deutlich und vermeidet eine industrielle Zersplitterung.
Relevanz für energieintensive Industrien
Für energieintensive Industrien ist der Kriterienkatalog besonders relevant, da er die Schnittstelle zwischen Dekarbonisierung und industrieller Wertschöpfung adressiert:
- Netto-Null-Technologien ermöglichen die Dekarbonisierung der Energieversorgung (z. B. erneuerbare Energien).
- Gleichzeitig bleibt die Grundstoffindustrie essenzieller Zulieferer für diese Technologien (z. B. Materialien und Komponenten).
Daraus entsteht ein industrielles Ökosystem, in dem Transformation und Wettbewerbsfähigkeit eng miteinander verknüpft sind.
Zielbild: Regionale Spezialisierung mit europäischer Einbettung
Langfristig ermöglicht der Kriterienkatalog ein klares technologisches Zielbild für eine Region zu entwickeln. Dieses soll:
- den strukturellen Wandel unterstützen,
- industrielle Wertschöpfung sichern und ausbauen,
- und gleichzeitig in die übergeordneten industriepolitischen Ziele der EU eingebettet sein.
Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel verschiedener Ebenen: Regionale Entscheidungen müssen mit europäischen Zielsetzungen abgestimmt sein, um Skalierungseffekte und strategische Wettbewerbsfähigkeit zu realisieren.
Ein pragmatischer, übertragbarer Ansatz
Der Kriterienkatalog versteht sich bewusst nicht als starres oder vollständig wissenschaftliches Modell, sondern als praxistauglicher Orientierungsrahmen. Er zeigt exemplarisch, wie ein transparenter, partizipativer und datenbasierter Auswahlprozess gestaltet werden kann.
Damit liefert das Impulspapier nicht nur eine Entscheidungshilfe für einzelne Regionen, sondern auch einen Ausgangspunkt für die Entwicklung eines einheitlicheren Standards bei der Technologieauswahl in zukünftigen Net-Zero Valleys.
Kontakt
Baptiste Aguila
Referent Think Tank und Strategische Vorhaben
0355 47889-161
E-Mail schreiben
weitere Informationen