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Interkonnektivität macht Europas Industrie wettbewerbsfähig und klimafest

KEI Kompakt

Ein Stapel Zeitungen

KEI Kompakt: „Interkonnektivität macht Europas Industrie wettbewerbsfähig und klimafest“

Herausgeber: Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI)
Publikation: KEI Kompakt
Autoren: Baptiste Aguila, KEI Think Tank
Veröffentlicht: Juli 2026

Grafische Vorschau des Dokuments zur Publikation KEI Kompakt Interkonnektivität

Am 26. Juni 2026 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine gemeinsame Position zum europäischen Netzpaket, das 2027 beschlossen werden soll. Es soll den Netzausbau beschleunigen, Engpässe beseitigen und Interkonnektoren fördern. Eine europäische Netzplanung könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Grundstoffindustrie steigern, Kosten senken, die Versorgung sichern und die Dekarbonisierung vorantreiben.

Warum Interkonnektivität entscheidend ist

Europas energieintensive Industrie muss wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig Emissionen senken. Der Schlüssel liegt in der grenzüberschreitenden Vernetzung der Energieinfrastruktur. Mehr Interkonnektivität erhöht die Resilienz, verteilt Überschüsse effizienter und senkt die Ausbaukosten. Laut der EU-Agentur für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) und Agora Energiewende steigert eine koordinierte Infrastrukturplanung die Kosteneffizienz und Resilienz der Grundstoffindustrie erheblich.

Cluster und Hubs: Pfeiler der industriellen Zukunft Europas

Industrielle Cluster bündeln die Nachfrage der Grundstoffindustrie nach Strom, Wasserstoff und CO₂. Sie fördern Innovation, Kreislaufwirtschaft und wettbewerbsfähige Standorte. Multimodulare Hubs, die als Knotenpunkte dienen, ermöglichen die flexible Nutzung von Wasserstoff und CO₂ als Rohstoff oder Energieträger und erschließen erneuerbare Quellen effizient. Die EU-Mitgliedstaaten könnten solche Cluster strategisch platzieren und die europaweite Vernetzung fördern. Dafür braucht es abgestimmte Planungen und schnellere Genehmigungsverfahren.

Wie wird die Vision Realität?

Wie kann Europa sicherstellen, dass integrierte Netze die Industrie stärken und allen Mitgliedstaaten nützen? Studien von Ember, Fraunhofer IEG/ISI/D-FINE, und des Joint Research Centre liefern drei zentrale Ansätze:

  1. Nationale und europäische Planungen müssen eng verzahnt werden – für Strom- und Wasserstoffnetze sowie Carbon-Management. Eine europaweite Infrastrukturplanung könnte den bisherigen Bottom-up-Prozess ergänzen und Einsparungen von bis zu 750 Milliarden Euro zwischen 2030 und 2050 ermöglichen.
  2. Industrielle Cluster und Hubs sollten dort entstehen, wo sie technisch und wirtschaftlich sinnvoll sind. Sie fördern Innovation, indem sie Stromleitungen, Wasserstoffpipelines und CO₂‑Netze verbinden.
  3. Eine solide Regulierung muss die Verbindung zwischen Infrastruktur, Clustern, und Hubs sicherstellen. Einheitliche Regeln, wie sie das europäische Netzpaket vorsieht, erleichtern Investitionen und fördern die europäische Zusammenarbeit.

Herausforderungen und Lösungen

Die Vision einer EU-weit integrierten Infrastruktur bietet Chancen, birgt aber auch Risiken. Technische Komplexität, hohe Investitionskosten und der Bedarf an enger Zusammenarbeit erfordern neue Lösungen. Der Aufbau bleibt nur dann wirtschaftlich attraktiv, wenn Einsparungen durch Interkonnektivität die Umstellungskosten langfristig übersteigen.

Derzeit bündeln die Übertragungsnetzbetreiber für Strom und Gas nationale Pläne, die ACER prüft. Ein europäisches Wasserstoffnetzwerk wurde initiiert, doch für eine EU-weite Planung braucht es eine multimodulare Koordinierung. Die zentrale Frage lautet: Wo entstehen oder wachsen Interkonnektoren, Leitungen, Cluster, und Hubs?

Europas industrielle Zukunft gestalten

Interkonnektivität und multimodulare Infrastrukturen können der Grundstoffindustrie Stabilität, Resilienz und Flexibilität verleihen. Entscheidend sind eine koordinierte europäische Strategie, politischer Wille und gesellschaftliche Unterstützung.

Die Vision ist ehrgeizig, aber erreichbar. Europas Grundstoffindustrie könnte durch Kooperation, Innovation und integrierte Infrastruktur zur Vorreiterin nachhaltiger Industrie werden. Jetzt gilt es, die Weichen zu stellen – mit Tempo und klaren Prioritäten.

Dazu gehören die stärkere Koordinierung nationaler und europäischer Planungen, der strategische Ausbau von Clustern und Hubs sowie einheitliche Regeln für Investitionen.