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Keramikindustrie

Auf dem Weg zur klimaneutralen Industrie

Keramikziegel in der Produktion

Hohe Treibhausgasemissionen bei der Herstellung keramischer Erzeugnisse

Ob als Geschirr, Dachziegel, Fliesen oder Sanitärkeramik, keramische Erzeugnisse sind in unserem Alltag allgegenwärtig. Doch Keramik leistet weit mehr. In der Medizintechnik ersetzt technische Keramik Knochen, in der Automobilindustrie isoliert sie Zündkerzen. Die energieintensive Industrie selbst könnte ohne feuerfeste Keramik nicht existieren: Sie hält extremen Temperaturen stand und kleidet Industrieöfen aus. Diese Vielseitigkeit macht die Keramikindustrie unverzichtbar in der modernen Gesellschaft.

Keramische Erzeugnisse sind in der Regel sehr langlebig. Ihre Herstellung verursacht jedoch erhebliche Treibhausgasemissionen. Verantwortlich dafür sind die energieintensiven Brennprozesse mit Temperaturen zwischen 800 °C und 2500 °C. Die deutsche Keramikindustrie ist verantwortlich für etwa 1,7 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr, was einem signifikanten Anteil der gesamten Industrieemissionen entspricht.

Kreisdiagramme zur Visualisierung der Treibhausgasemissionen in der Industrie allgemein und speziell für den Sektor Keramik
Treibhausgasemissionen (THG) der deutschen Keramikindustrie 2022. Quelle: Eigene Darstellung gemäß Emissionsdaten des Umweltbundesamts (UBA, 2024) und der deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt (VET-Bericht 2022).

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Förderung

KEI Fachforum Keramik

Keramikziegel in der Produktion

Studie „Flexibilisierung elektrifizierter Industrieprozesse"

Chance Dekarbonisierung

So funktioniert die Keramikherstellung

Konventionelle Keramikherstellung

Infografik zur konventionellen Keramikproduktion am Beispiel der Grobkeramik

Klimaneutrale Keramikherstellung

Infografik zur klimaneutralen Keramikproduktion am Beispiel der Grobkeramik
1700000 Tonnen

weniger CO₂-Äquivalente

Durch eine Dekarbonisierung der Keramikproduktion können rund 1,7 Mio. Tonnen CO₂-Äquivalente eingespart werden.

Keramik ist vielfältig – ebenso ihr Weg zur Dekarbonisierung

Seit 1990 hat die europäische Keramikindustrie ihre Emissionen um über 30 Prozent reduziert.  Möglich wurde das durch effizientere Prozesse, optimierte Brennöfen, die Nutzung von Abwärme und den teilweisen Verzicht auf Kohle. Doch um die Klimaziele zu erreichen, müssen Energie-, Prozess- und Produkteffizienz weiter steigen.

In Deutschland gliedert sich die Branche  grob  in sechs Zweige: Haushaltskeramik, Sanitärkeramik, technische Keramik, Wand- und Bodenfliesen, Ziegel und feuerfeste Keramik. Jeder Bereich hat eigene Stärken – etwa Hitze- und Feuerbeständigkeit, Dämmfähigkeit, Haltbarkeit oder einstellbare elektrische Eigenschaften. Die deutschen Keramikunternehmen, ob groß oder klein, verteilen sich über das gesamte Bundesgebiet, oft je nach Zweig in regionalen Clustern gebündelt. Die Vielfalt der Produkte spiegelt sich in den Produktionsprozessen wider. Ein einheitlicher Weg zur Dekarbonisierung ist daher nicht möglich.

Dennoch lassen sich zwei Hauptstrategien erkennen: der Einsatz alternativer Brennstoffe einschließlich der Auflösung des Ofen-Trockner-Verbunds sowie erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft. Technologische Innovationen wie elektrische Brennverfahren, der Einsatz von grünem Wasserstoff, Recyclingmaterialien und der Ausbau der Infrastruktur spielen dabei eine Schlüsselrolle.

Die Politik muss handeln

Die größten Hürden liegen dabei in der Finanzierung und den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen – Lösungen müssen übergreifend gedacht werden. Besonders kleine und mittelständische Unternehmen stehen vor Herausforderungen: Ein energieeffizienter Ofen hat eine Lebensdauer von etwa 40 Jahren und eine Unterbrechung des Investitionszyklus gilt oft als unrealistisch . Zwar ähneln die Recyclingprozesse von Keramik den konventionellen Produktionsverfahren und Produkte mit bis zu 70 Prozent recyceltem Material existieren bereits, doch fehlen funktionierende Rückgewinnungs-  und Sammelsysteme.

Politische Vorgaben und Anreize können Hersteller dazu bewegen, klimafreundlicher zu produzieren. Gleichzeitig können sie Endverbraucher und Baupraktiken motivieren, Keramikabfälle zurückzugeben und ein effektives Rückführ-  und Transportsystem aufzubauen. Ein solches System setzt eine Kettenreaktion in Gang: Es steigert die Ressourcenschonung sowie die Prozess-  und Energieeffizienz nicht nur in der Keramikindustrie, sondern auch im Bauwesen. Eine enge Zusammenarbeit auf EU-Ebene ist dabei unverzichtbar. Das weltweit erste elektrische Tunnelbrandrohr in Laufen (Österreich) zeigt, was gemeinsame Forschung und Entwicklung erreichen können. Leitmärkte und Nachhaltigkeitslabels können den Wandel beschleunigen, indem sie umweltfreundliche Produkte bevorzugen und den Wettbewerbsdruck erhöhen. Nur durch die Kooperation von Politik, Forschung und Industrie wird die Keramikbranche zukunftsfähig und klimaneutral.

Geförderte Projekte

  • laufend Keramikindustrie

    CONSINTEC

    Im Projekt „CONSINTEC“ forscht Rauschert an der Entwicklung elektrisch beheizter Sinteröfen zur Herstellung von Technischer Keramik.

  • laufend Keramikindustrie

    DECARBZEW1

    Im Projekt „DECARBZEW1“ arbeitet das Unternehmen Schlagmann Poroton an einer klimafreundlichen Ziegelproduktion unter Verwendung von Strom aus erneuerbaren Energien.

  • Der Rohling wird bei über 1.700°Celsius in den Sinterofen geschoben aus dem glühende Flammen und Hitze zu sehen sind
    laufend Keramikindustrie

    ECHSTO

    Im Projekt „ECHSTO“ baut der Keramikproduzent STEREON Ceramics Auma GmbH Ceramics eine Pilotanlage zur CO₂-armen Herstellung von Technischer Keramik.