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30.10.2026 Leitmärkte Stahl

KEI Fachforen starten neue Themenreihe zu Marktstrategien

Dr. Remo Tiedemann und Dr. Roger Abang, Mitarbeitende des KEI, führten durch das Fachforum Stahl und die Diskussionsrunde. (v.l.n.r.)

Zum KEI Fachforum Stahl am 22. Oktober diskutierten rund 80 Teilnehmende wie klimafreundlicher Stahl wettbewerbsfähig wird und sich neue Absatzmärkte erschließen lassen.

Datenbasierter Input: Was kostet die Transformation?

Im ersten Teil der Veranstaltung präsentierte Dr. Alexander Piégsa (Prognos AG) die Methodik und erste Zwischenergebnisse einer vom KEI beauftragten Kurzstudie am Beispiel der Stahlindustrie. Die Untersuchung analysiert die Mehrkosten bei der Herstellung konventioneller und klimafreundlicher Produkte, insbesondere für die öffentliche Hand, am Beispiel der Stahlindustrie. Die vollständige Studie wird im kommenden Jahr veröffentlicht werden.

Die ersten Ergebnisse in Bezug auf Energieverbrauch, THG-Emissionen und Fixkosten zeigen: Die technologische Transformation verursacht in der Übergangsphase erhebliche Mehrkosten. Langfristig könnten sinkende Energiekosten und steigende CO₂-Preise diese Belastungen bis 2050 auszugleichen. Um sie bis dahin abzufedern und Planungssicherheit zu schaffen, spielen politische Steuerungsinstrumente und verlässliche Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle. 

Perspektiven aus Wirtschaft und Verbänden

In einem weiteren Impuls sprach Charlotte Zinke (Wirtschaftsvereinigung Stahl) über die öffentliche Beschaffung als Marktöffner für emissionsarmen Stahl in Europa. Sie beleuchtete die Rahmenbedingungen, die es braucht, um Markthochlauf mit ambitioniertem Klimaschutz zu vereinbaren. So zeigte sie, dass sowohl öffentliche als auch private Nachfrage entscheidend sind, um den Markthochlauf mit ambitioniertem Klimaschutz zu verbinden. Wichtige Hebel seien zudem EU-Richtlinien wie der Public Procurement Act und der Industrial Accelerator Act (IAA) sowie nationale Vergabebeschleunigungen und klare Verordnungen.

Frank Düssler (GMH-Gruppe) ergänzte die Perspektive eines Herstellers aus der Sekundärroute. Er machte deutlich, dass es ohne die Primärroute keine Sekundärroute gibt. Eine Elektrifizierung durch erneuerbare Energien sei zwar möglich, jedoch bleibe die Gassubstitution herausfordernd. Kritisch bewertete er die CO2-Bepreisung. Der Zertifikathandel motiviere nur begrenzt, CO2-freie Prozesse einzuführen und auf Zertifikate zu verzichten. Der Grund sind fehlende prozess- und energiebedingte Alternativen. 

Diskussionsrunde fokussiert Transparenz und Zahlungsbereitschaft

In der abschließenden Diskussionsrunde beantworteten die Expert*innen Fragen des digital zugeschalteten Publikums. Themenschwerpunkte waren:

  • Marktfähigkeit grüner Grundstoffe: Technologieinvestitionen allein reichen nicht. Es bedarf staatlicher und privater Nachfrageimpulse, um Leitmärkte für klimafreundliche Produkte zu etablieren. Die öffentliche Beschaffung wurde als ein zentraler Hebel hervorgehoben.
  • Wert von CO₂-Transparenz: Einheitliche, transparente CO₂-Bilanzen und Produktpässe sind die Grundvoraussetzung, damit nachgelagerte Unternehmen eine echte Zahlungsbereitschaft (Green Premium) entwickeln können. Nur wer den exakten CO₂-Vorteil beziffern kann, kann diesen auch vermarkten.
  • Leitmarktinstrumente im Check: Die Teilnehmenden waren sich einig, dass bestehende Instrumente geschärft werden müssen. Neben breiteren Ansätzen sind branchenspezifische Lösungen für die Stahlindustrie essenziell, um die akuten Mehrkosten entlang der gesamten Wertschöpfungskette abzubilden.

Kernbotschaften

Die Teilnehmenden betonten die Bedeutung einer eindeutigen und einheitlichen Begriffsbestimmung von Bezeichnungen wie „grün“ oder „klimaneutral“. Diese sollten die qualitative Wertigkeit und den CO2-Emissionsausstoß pro Tonne Produkt widerspiegeln.

Die Verfügbarkeit und die Kosten von grünem Wasserstoff und Strom bleiben die größten Engpässe für eine wettbewerbsfähige Produktion in Deutschland und Europa.

Die Nachfrage nach klimaneutralem Stahl muss durch klare Definitionen (Leitmärkte), staatliche Quoten (über die öffentliche Beschaffung hinaus) und finanzielle Absicherungen (Klimaschutzverträge) gezielt stimuliert werden.

Mitschnitt der Veranstaltung

Vorschaubild für die Aufzeichnung des KEI Fachforum Stahl am 22.10.2026

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Kontakt

Dr. Remo Tiedemann
Referent Think Tank und Strategische Vorhaben
0355 47889-113 E-Mail schreiben weitere Informationen

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