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Flexibilisierung als Chance für den Industriestandort Deutschland

KEI Kompakt

Ein Stapel Zeitungen

KEI Kompakt: „Flexibilisierung als Chance für den Industriestandort Deutschland“

Herausgeber: Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI)
Publikation: KEI Kompakt
Autoren: Ece Oyan, KEI Think Tank
Veröffentlicht: Juni 2026

Grafische Vorschau des Dokuments zur Publikation KEI Kompakt Flexibilisierung

Im Mai 2026 führte die Bundesregierung den Industriestrompreis als neues Entlastungsinstrument für energieintensive Unternehmen ein. Er senkt die Energiekosten, sofern Unternehmen 50 Prozent der Förderung in Effizienz- und Flexibilitätsmaßnahmen investieren. Gleichzeitig reformiert die Bundesnetzagentur im AgNes-Prozess die Netzentgeltsystematik, um flexible und netzdienliche Stromnachfrage stärker zu fördern.

Hohe Stromkosten bremsen Investitionen in die Elektrifizierung industrieller Prozesse. Neben den Strombeschaffungskosten erschweren vor allem Höhe und Struktur der Netzentgelte die Umstellung. Gerade große Industrieverbraucher zahlen bei flexiblen Lastprofilen oft höhere Leistungspreise. Dabei steckt in neuen industriellen Stromverbrauchern ein häufig unterschätzter Beitrag zu Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit: Flexibilität. 

Beide Instrumente setzen hier an. Sie senken die Stromkosten komplementär, indem sie zwei wesentliche Kostenbestandteile – Strombeschaffung und Netzentgelte – adressieren und die Entlastung zugleich an einen flexiblen Stromverbrauch koppeln.
Doch wie viel Flexibilitätspotenzial steckt in der energieintensiven Industrie und wie lässt es sich erschließen? Die KEI-Studie zur Flexibilisierung elektrifizierter Industrieprozesse nennt drei zentrale Ansatzpunkte: 

  1. Die Flexibilisierung bestehender Produktionsprozesse in der Grundstoffindustrie ist technisch oft möglich, wirtschaftlich jedoch meist begrenzt. Die in der Studie untersuchten Fallbeispiele zeigen Kosteneinsparungen einschließlich möglicher Flexibilitätserlöse von meist nur 0,3 bis 2,5 Prozent der Produktionskosten im Jahr 2035 und 0,1 bis 4 Prozent im Jahr 2045. Flexibler Energiebezug rechnet sich daher nur, wenn diese Einsparungen die zusätzlichen Investitions-, Betriebs- oder Lagerkosten ausgleichen.
  2. Hybride Energieversorgungssysteme bilden das Sprungbrett für flexible Stromnachfrage in der Industrie. Die Kombination eines erdgasbefeuerten mit einem elektrischen Dampferzeuger oder einer Wärmepumpe (Leistungszahl bis 2,5) ermöglicht die Verlagerung des Strombezugs in Zeiten hoher erneuerbarer Erzeugung. In Verbindung mit Wärmespeichern (Wirkungsgrad bis 90 Prozent, Investitionskosten rund 22 Euro pro kWh) steigt die Flexibilität zusätzlich und erleichtert zugleich die schrittweise Umstellung auf klimaneutrale Energieträger.
  3. Die Elektrifizierung bisher mit Erdgas und Kohle betriebener Industrieprozesse erschließt neue Flexibilitätspotenziale, da neue industrielle Stromverbraucher zugleich potenzielle Flexibilitätsressourcen sind. Elektrische Prozesswärme, Wärmepumpen und Elektrolyseure können ihren Strombedarf an das Angebot erneuerbarer Energien anpassen und so Dekarbonisierung, Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit gleichzeitig unterstützen.

Diese Ansätze bringen jedoch Herausforderungen mit sich. Flexible Betriebsprozesse erfordern zusätzliche Investitionen und organisatorischen Aufwand. Damit die Umstellung für Unternehmen wirtschaftlich attraktiv ist, müssen die Einsparungen durch Flexibilisierung die Kosten langfristig übersteigen.

Das heißt: Nicht jede Form der Flexibilisierung ist sinnvoll. Regulatorische Anpassungen sollten systemisch so gedacht werden, dass sie gesellschaftlich und für die Unternehmen, die in Flexibilität und Elektrifizierung investieren, Kostenvorteile bringen. Maßnahmen wie der Ausbau von Speichern, die Verbesserung der Netzinfrastruktur und die Steuerung des Verbrauchs wirken am besten, wenn sie als Teile eines Gesamtsystems – wie ein gut abgestimmtes Orchester – zusammenspielen.

Flexibilisierung: Eine Chance für den Industriestandort Deutschland

In den energieintensiven Grundstoffindustrien bremsen hohe Strompreise und Netzentgelte die Elektrifizierung. Eine flexible Stromnachfrage kann Abhilfe schaffen: Sie ermöglicht günstigere Strombeschaffung, system- und netzdienliche Laststeuerung sowie höhere Resilienz. Voraussetzung dafür sind passende regulatorische Rahmenbedingungen und als Sprungbrett der verstärkte Einsatz hybrider Energieversorgung.