Zum Hauptinhalt springen

Innovation – Investition – Wirtschaftlichkeit

Wie aus der Transformation ein Business Case wird

Leitungsrohr, Windräder im Hintergrund

Schwankende Energiepreise, Lieferketten, die unter geopolitischen Verwerfungen leiden, und Regulierungen, die sich schneller verändern, als Investitionszyklen dauern. Gleichzeitig holen internationale Wettbewerber bei Technologie, Geschwindigkeit und Skalierung auf. Der internationale Konkurrenzdruck wächst.

Für viele Unternehmen – besonders für kleine und mittlere Betriebe (KMU) – gleicht das einem Dauer-Ausnahmezustand.

Doch genau hier liegt auch Potenzial: Wer Abhängigkeiten reduziert, stabilisiert seine Kosten. Wer neue Technologien einsetzt, sichert seine Versorgung. Wer früh handelt, schafft Planbarkeit und stärkt seine Wettbewerbsfähigkeit.

Die Botschaft ist klar: Innovation schützt in Krisenzeiten und macht zukunftsfähig. Wer heute modernisiert, stabilisiert Kosten, reduziert Abhängigkeiten und sichert seine Marktposition.

Krisen als Impuls für Innovation

Innovationsschübe entstehen oft aus Engpässen. Der Energiepreisschock nach 2021 zwang viele Unternehmen, ihren Energieverbrauch neu zu denken. Unterbrochene Lieferketten lenkten den Blick auf regionale Rohstoffquellen und die Kreislaufwirtschaft. Was zuvor noch als riskant galt, gilt nun als strategische Investition, weil die Alternative teurer ist. 

Für die energieintensive Industrie zeichnen sich vier Innovationspfade ab, die jeweils direkte wirtschaftliche Wirkung entfalten:

Elektrifizierung
In elektrifizierten Produktionsprozessen werden fossile Brennstoffe durch Strom ersetzt. Das macht Unternehmen unabhängiger von Gaspreisen und -importen. Volatile Energiekosten lassen sich so besser kontrollieren und absichern.

Wasserstoff
Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen lässt sich in Hochtemperaturprozessen einsetzen, wo Elektrifizierung allein nicht genügt. Die Logik ist klar: Grüner Wasserstoff aus heimischer Produktion verringert die Abhängigkeit von Gasimporten und sorgt für stabilere, planbare Energiekosten.

Kreislaufwirtschaft
Materialeffizienz und Recycling senken Rohstoffkosten und mindern Importrisiken. Wer Materialien im Kreislauf hält, schafft eine eigene Versorgungsbasis – unabhängig von Weltmarktpreisen und Lieferkettenproblemen.

Energiespeicher und Systemlösungen
Energiespeicher und flexible Produktionssysteme erlauben Unternehmen, auf schwankende Energiemärkte zu reagieren, Lastspitzen zu glätten und die Produktion stabil zu halten – selbst bei Netzschwankungen.

Wichtig ist: Innovation bedeutet nicht immer neue Maschinen oder Anlagen. Oft bringen neue Kooperationsmodelle, gemeinsame Infrastrukturen oder die Nutzung von Reststoffen entlang der Wertschöpfungskette die größten Fortschritte.

Auch die europäische Industriepolitik folgt dieser Logik. Mit Initiativen wie dem Clean Industrial Deal, dem Net-Zero Industry Act und dem Industrial Accelerator Act verbindet die EU Klimaschutz, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Investitionssicherheit stärker miteinander.

Der Dreiklang der Transformation

Innovation schafft neue Möglichkeiten; Investitionen machen diese Möglichkeiten real; Wirtschaftlichkeit entscheidet über den langfristigen Erfolg.

Innovation in der Praxis

In den Förderprogrammen des KEI zeigt sich, wie Unternehmen neue Technologien in realen Produktionsanlagen einsetzen und die Zukunft denken:

Ardagh Glass Europe baut in ihrem Leuchtturmprojekt „NextGen Furnace“ eine elektrifizierte Hybrid-Schmelzwanne, eine Referenztechnologie für die gesamte Behälterglasindustrie. Auf dieser Grundlage sollen künftig weitere Anlagen dieser Art errichtet werden. Der Konzern verfolgt zudem die strategische Beschaffung von Grünstrom und die gezielte Errichtung von erneuerbaren Erzeugungsanlagen. Die schrittweise Umstellung von fossiler Beheizung auf CO₂-arme Technologien soll auch bei den anderen von Ardagh weltweit betriebenen 84 Schmelzwannen erfolgen.

Kohlendioxid in hochreiner Form abscheiden und etwa in der Lebensmittelbranche weiternutzen – das ist das Ziel des Projektkonsortiums Cap2U mit dem Projekt Capture2Use. Gemeinsam errichten der Zementhersteller Heidelberg Materials und der Gase-Anbieter Linde die deutschlandweit erste großtechnische Anlage zur CO₂-Abscheidung durch Aminwäsche. 

Im Projekt „eFurnace“ baut BASF gemeinsam mit den Partnern SABIC und Linde eine Demonstrationsanlage für elektrisch beheizte Spaltöfen eines Steamcrackers – einen der energieintensivsten Prozesse der Chemieindustrie. Die weltweit erste großtechnische Anlage ihrer Art hat Vorbildcharakter für die gesamte chemische Industrie.

Diese Beispiele zeigen, dass Innovation mehrfachen Nutzen schafft:

  • geringere Kosten
  • höhere Ressourceneffizienz
  • mehr Planbarkeit und Versorgungssicherheit
  • Zugang zu neuen Märkten, die klimafreundliche Produkte verlangen

Investitionen gezielt einsetzen

Zwischen einer guten Idee und deren Umsetzung liegt oft eine heikle Phase: das sogenannte „Valley of Death“ der Innovation. Pilotprojekte sind finanziert, doch der Weg zur industriellen Skalierung bleibt teuer, riskant und komplex. Damit dieser Schritt gelingt, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Eine klare Investitionsstrategie

Unternehmen brauchen eine solide Entscheidungsbasis – mit realistischen Annahmen zu Energiepreisen, transparenten Kosten und einem schrittweisen Investitionsplan, der Risiken beherrschbar macht.

  • Zugang zu Förderinstrumenten

Programme wie die Bundesförderung Industrie und Klimaschutz (BIK) unterstützen gezielt Investitionen in klimafreundliche Technologien. Auf europäischer Ebene ergänzen Horizon Europe und der EU-Innovationsfonds die Förderpalette. Diese Programme senken Investitionsrisiken spürbar.

  • Verlässliche Rahmenbedingungen

Neue Technologien setzen sich durch, wenn Märkte für ihre Produkte entstehen. Hier setzen neue europäische Initiativen wie der Industrial Accelerator Act an – etwa durch Nachhaltigkeitskriterien in öffentlichen Beschaffungen oder CO₂-Standards für Grundstoffe.

Fördermittel ersetzen keine Strategie, doch sie können darüber entscheiden, ob ein Projekt umgesetzt wird oder scheitert.
 

Von der Innovation zum Business Case: der Dreiklang der Transformation

Die entscheidende Frage lautet: Lohnt es sich? Die Antwort variiert je nach Situation, doch die Grundlogik bleibt oft gleich. Ein Unternehmen investiert in eine neue Technologie, wenn sie klare Vorteile verschafft: Kostenstabilität, Versorgungssicherheit, Planbarkeit, neue Märkte.

Innovation schafft neue Möglichkeiten; Investitionen machen diese Möglichkeiten real; Wirtschaftlichkeit entscheidet über den langfristigen Erfolg.

Das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) begleitet Unternehmen auf diesem Weg – als Navigator und Übersetzer.

Wir helfen Unternehmen, die Förderlandschaft zu verstehen und die richtigen Instrumente zu finden. Wir vernetzen Industrie, Wissenschaft und Politik. Wir machen erfolgreiche Projekte sichtbar – damit andere daraus lernen können. Und wir unterstützen Unternehmen dabei, aus einer Idee ein umsetzbares Vorhaben zu machen.
 

Kontakt

Team Think Tank E-Mail schreiben

Bei förderspezifischen Fragen:

Förderung

Publikationen

Flexibilisierung elektrifizierter Industrieprozesse

Studie | KEI, 2024
Download und Bestellung

Praxisbeispiele

  • Elektroofenschlacke
    laufend Stahlindustrie Zementindustrie

    WAGEOS2SHS

    Die Lech-Stahlwerke und das Recyclingunternehmen Max Aicher Umwelt entwickeln mit den Zementproduzenten Holcim und Märker einen klimaschonenden Klinkerersatzstoff aus der Elektroofenschlacke von recyceltem Schrott.

  • laufend Stahlindustrie

    EVA2GMH

    Der Stahlhersteller Georgsmarienhütte errichtet eine mit Grünstrom betriebene induktive Einzelstabvergütungsanlage zur treibhausgasarmen Wärmebehandlung von Stabstahl mit großen Abmessungen.

  • abgeschlossen Glasindustrie

    Erste Grüne Float

    Saint-Gobain Glass testet im Projekt „Erste Grüne Float“ den Einsatz von grünem Wasserstoff in der Glasschmelze, um Flachglas klimafreundlich und emissionsfrei zu produzieren.

  • Ein Haufen von feinkörnigem Material
    abgeschlossen Zementindustrie

    Capture2Use

    Heidelberg Materials und Linde errichten die deutschlandweit erste Anlage im industriellen Maßstab zur CO₂-Abscheidung durch Aminwäsche.

  • Drei glühende Glasflaschen in der Produktion
    abgeschlossen Glasindustrie

    NextGen Furnace

    Im Projekt baut der Glasproduzent Ardargh Glass eine neuartige Hybrid-Schmelzwanne zur weitgehend treibhausgasfreien Herstellung von Behälterglas.

  • Blick in eine Glasschmelzanlage
    abgeschlossen Glasindustrie

    PROSPECT

    Der Glashersteller Schott entwickelt die Umsetzung einer vollelektrischen Schmelzwanne zur treibhausgasarmen Herstellung von Spezialglas für pharmazeutische Anwendungen.

Drei Fragen an ...

  • Portraitfoto von Dr. Andreas Lützerath, Trimet Aluminium SE
    04.09.2025 | Drei Fragen an ... | Nichteisenmetalle

    Dr. Andreas Lützerath erläutert, wie sich die Wettbewerbsfähigkeit der Nichteisenmetallindustrie auf dem internationalen Markt sichern lässt und…

  • Portraitbild von Benjamin Görlach, Agora Energiewende
    04.08.2025 | Leitmärkte | Drei Fragen an ...

    Benjamin Görlach erläutert in unserer Interviewreihe warum es lohnt, Leitmärkte für klimafreundliche Produkte europäisch zu denken und welche…

  • Portraitbild Jörg Megow
    22.07.2025 | CO2 | Leitmärkte | Drei Fragen an ...

    Dr. Jörg Megow spricht in unserem Interview über die Wahl von Systemgrenzen für Produkte sowie existierende Normen zur Ermittlung von…

  • Portraitbild von Frauke Eustermann
    04.07.2025 | Leitmärkte | Drei Fragen an ...

    In unserer Interviewreihe haben wir mit Frauke Eustermann über die Rolle der öffentlichen Beschaffung bei der Etablierung von Märkten für…

  • 29.04.2025 | Drei Fragen an ... | Glas

    In unserer Interviewreihe haben wir mit Hannes Kracht über die Potenziale der Flexibilisierung in der Glasherstellung, die Chancen des Einsatzes von…

  • Portraitfoto von Christiane Nelles, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Bundesverband Glasindustrie e.V.
    12.03.2025 | Drei Fragen an ... | Glas

    In unserer Interviewreihe haben wir mit Christiane Nelles über die Position der Glasbranche gegenüber dem Thema Flexibilisierung sowie den Einsatz von…